Implementierungsstudie mit Angehörigen
Wie kann das familienfokussierte Versorgungsmodell nach FICUS® erfolgreich umgesetzt werden?
Damit das familienfokussierte FICUS®-Versorgungsmodell langfristig wirken kann, muss es gut in den Alltag und in die Behandlungsabläufe auf Intensivstationen passen. In einer begleitenden Implementierungsstudie wurde deshalb untersucht, wie die Einführung des FICUS®-Versorgungsmodells aus Sicht der Mitarbeitenden in den acht Intensivstationen funktioniert, welche die Intervention eingeführt haben: Was unterstützte die Umsetzung? Was steht ihr im Weg? Und unter welchen Bedingungen kann FICUS ® erfolgreich eingeführt werden?
Die Implementierungsstudie besteht aus drei Teilen:
1. Kontextanalyse
Noch vor dem Start der FICUS®-Umsetzung wurde aus Sicht der Verantwortlichen geprüft, welche Voraussetzungen auf den einzelnen Intensivstationen gegeben sind – etwa, wie gut die Teams zusammenarbeiten, wie offen sie für Veränderungen sind, wie stark sich die Führung einbringt und welche personellen und zeitlichen Ressourcen vorhanden sind. Diese Einschätzung half dabei, das neue Versorgungsmodell an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort anzupassen.
2. Prozessevaluation
Hier wurde untersucht, wie das FICUS ® Versorgungsmodell in den acht Intensivstationen eingeführt wurde. Dabei zeigte sich, das Versorgungsmodell grundsätzlich auf hohe Akzeptanz stiess, ihre Umsetzung im Klinikalltag jedoch je nach Standort unterschiedlich gelang. Erfolgsfaktoren für die Umsetzung waren unter anderem eine engagierte und unterstützende Führung, eine offene Teamkultur und ausreichend personelle Ressourcen. Hindernisse zeigten sich vor allem in begrenzten, zeitlichen Kapazitäten und die Umsetzung innerhalb eines streng vorgegebenen Studienrahmens.
3. Summative Evaluation
Am Ende der Implementierungsphase wurden über 228 Fachpersonen aus acht Intensivstationen mittels Fragebogen befragt und zusätzlich nahmen 64 Fachpersonen an Fokusgruppeninterviews teil. Die Ergebnisse zeigen, dass das FICUS®-Versorgungsmodell von den Fachpersonen aus den interprofessionellen Teams als akzeptabel, angemessen, umsetzbar und insgesamt als hilfreich bewertet wird. Es wurde insbesondere als unterstützend für Familien wahrgenommen, stärkte die interprofessionelle Zusammenarbeit und entlastete teilweise auch die klinische Arbeit. Eine erfolgreiche Integration hing dabei eng mit Faktoren wie Akzeptanz, wahrgenommenem Nutzen und Umsetzbarkeit zusammen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass das FICUS®-Versorgungsmodell unter geeigneten Rahmenbedingungen erfolgreich in den Klinikalltag integriert werden kann, gleichzeitig jedoch ausreichende Ressourcen und strukturelle Unterstützung entscheidend für eine nachhaltige Umsetzung sind.